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Sri Ramana Maharshi
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»Acht Strophen«
auf den Berg Morgenrot, Gott und das Selbst

(Shri-Arunâchala-ashtakam)

(aus "Der Weg zum Selbst" von Heinrich Zimmer, Diederichs Gelbe Reihe, Bd.7)

 
Sri Ramana Maharshi(1) Vernimm! - Es steht reglos als Berg da. Sein Wirken ist geheimnisvoll, über menschliches Begreifen hinaus. Seit Kindertagen strahlte es in mein Gemüt, daß der Berg Morgenrot unvergleichlich an Hoheit sei; aber als ein anderer mir sagte, er sei dasselbe wie Tiruvannamalai, begriff ich nicht, was es bedeutete. Als er mich an sich zog und mein Gemüt mit Stille füllte, und ich ihm nahe kam, sah ich: er stand unbewegt.

(2) >Wer ist der Sehende?< - so forschte ich in mir, und da bemerkte ich, wie der Sehende verschwand und was danach übrig blieb.

Keine Regung stand in mir auf, die sprach: >ich sah<, — wie konnte der Gedanke aufstehen: >ich habe nicht gesehen?< — Wer hat die Macht, mit Worten zu künden, was du in alten Tagen mit deiner Gnadengestalt schweigend verkündigen konntest?

Nur um in Schweigen dein überweltliches Sein zu künden, stehst du als Berg und strahlst vom Himmel zur Erde.


Sri Ramana Maharshi, der letzte große Weise Indiens

(3) Wenn ich dir nahe und dich betrachte als gestaltiges Wesen, stehst du als Berg auf der Erde. Wenn einer mit seinem Gemüt nach deiner wahren Gestalt forscht, die gestaltlos ist, gleicht er einem, der über die Erde hin wandert und schaut nach dem allgegenwärtigen Himmelsraum aus. Ohne Regung in deinem grenzenlosen Wesen verweilen, heißt sich selber verlieren, wie eine Puppe aus Zuckerzeug, die ins Meer der Süße fällt: sie löst sich darin auf.

Erlebe ich, was ich wirklich bin, — was ist mein Wesen anderes dann als du, der du als Berg der Morgenröte ragend ruhst?


(4) Wer auszieht, Gott zu suchen, und nicht um dich weiß als Sein und reines Innesein, gleicht einem, der mit der Lampe auszieht, das Dunkel zu suchen. Nur damit du dich selbst als Sein und reines Innesein zu erkennen gebest, weilst du unter vielen Namen und Gestalten in vielen Glaubenslehren.

Und wenn die Menschen doch nicht dazu gelangen, dich zu erkennen, so sind sie wie Blinde, die die Sonne nicht sehen. O großer >Berg Morgenrot< -  Juwel ohnegleichen, wohne in mir und leuchte als mein Selbst, du Eines, neben dem nichts Zweites wirklich ist!


(5) Du durchdringst alle Wesen und Offenbarungen, wie die Schnur die Juwelen, die an ihr aufgereiht sind. Wie ein Juwel geschnitten und geschliffen wird, will das unreine Gemüt am Schleifrad des reinen Gemüts geläutert sein, um seiner Flecken ledig zu werden; dann nimmt es das Licht deiner Gnade an und strahlt wie ein Rubin, dessen Feuer kein Ding von außen berühren kann. O gnädiger und blendender >Berg Morgenrot<  - gibt es etwas außer dir?

(6) Du bist du selber: das Eine Sein, immer gewahr als das Herz, in seinem eigenen Lichte leuchtend. In dir ist eine geheimnisvolle Kraft (Shakti), die außer dir nichts ist. Von ihr geht die geisterhafte Erscheinung des Gemüts aus und sendet heimliche feine dunkle Nebel aus; sie werden vom Licht deines Gewahrseins angestrahlt und erhellt, das ihre spiegelnde Fläche auffängt und zurückstrahlt. Davon erscheinen sie im Innern als Vorstellungen, die in den Strudeln und Schnellen des Karman umeinander   wirbeln,   sich   zu   seelischen   Wirklichkeiten   entwickeln und nach außen getragen werden als eine stoffliche Wirklichkeit der äußeren Welt: von den nach außen gehenden Sinnen vergrößert, bewegen sie sich wie Bilder eines vorüberlaufenden Films. Sichtbar oder unsichtbar, o Berg der Gnade, sind sie nichts ohne dich!

(7) Ist keine Ich-Regung da, so ist auch keine andere Regung da. Steigen andere Regungen auf, so frage: »wem kommen sie?< — und die Antwort ist: >mir<. — Wenn einer dann nicht ablässt zu fragen: >woher steht das Ich auf?< - und einwärts taucht und die Stätte des Gemüts, das Herz, erreicht, der wird der höchste Herrscher im Schatten des einzigen Sonnenschirms königlicher Größe. O uferloses Meer der Gnade und des Lichts, >Berg Morgenrot< geheißen, du tanzest regungslos im Hof meines Herzens! Dort ist nicht länger Traum noch Wachen, noch irgendein Zweierlei von Innen oder Außen, Recht und Falsch, Geburt und Tod, Lust und Leid oder Licht und Dunkel.

(8) Die Wasser steigen aus dem Meer als Wolken auf und strömen als Regen hernieder und eilen in Strömen wieder zum Meer; nichts kann sie aufhalten, zu ihrem Ursprung heimzukehren.
So steht die Seele (jiva) auf aus dir und ist nicht aufzuhalten, sich wieder mit dir zu vereinen, auch wenn sie auf dem Weg zu dir in vielen Wirbeln kreisen muß. Der Vogel hebt sich von der Erde auf und schwingt sich in den Himmel, aber findet nirgends in der Luft, wo er rasten mag: so muß er wieder zur Erde kehren. So müssen alle den Weg zurückfinden, und wenn ihre Seele heimfindet zu ihrem Ursprung, versinkt sie in dir und geht in dir auf, o >Berg des Morgenrots<, du Meer der Seligkeit!«

RAMANA MAHARSHI
Zu den großen Gestalten des spirituellen Lebens in diesem Jahrhundert gehört Sri Ramana Maharshi (1879-1950) von Tiruvannamalai am Fuße des heiligen Berges Arunâchala in Südindien. Bereits als Sechzehnjähriger wurde er einer mystischen Todeserfahrung teilhaftig. Dieser in voller Bewusstheit durchlebte mystische Tod wurde für ihn zum Durchgangstor und zur Geburt des wahren Selbst, dessen er fortan immer gewahr blieb.

Ramana Maharshi lebte ganz schlicht am Fuße des heiligen Berges. Tausende von suchenden Menschen sind zu ihm gepilgert - und alle fanden bei ihm den Frieden, nach dem sie sich lange gesehnt haben.

Arunachala

Dieses Buch bringt erstmals in einer vollständigen deutschen Ausgabe die berühmten ,Gespräche' des Meisters mit seinen Besuchern. Sie sind praktisch der einzigen großen Suchfrage ,Wer bin ich?' gewidmet, erhellen aber auch den Weg der Selbst-Verwirklichung. Sie lehren das subtile Gewahrwerden des eigenen inneren Meisters und das endgültige Erwachen zur Wahrheit. In den "Gesprächen" gibt Ramana Maharshi viele Hinweise für eine richtige Meditation und zeigt auf, wie der Mensch - jenseits einer rastlosen Gedankenflucht - des inneren Friedens und der Einheit teilhaftig werden kann.

Es gibt keine großen spirituellen Fragen und inneren Probleme, die nicht in diesem Buch vom Heiligen vom Berge Arunâchala in seiner unendlichen Güte und Weisheit beantwortet und gelöst worden sind.

Ramana Maharshis "Gespräche" sind zeitlos gültige Wegmarken auf dem Pfad der Selbstbefreiung.


Vierzig Verse über die WIRKLICHKEIT (ulladu narpadu)

Sri Ramana Maharshi


Arunâchala live webcam

Ramanasramam-Website

Ramana Maharshi Website  

Buchempfehlung:

Ramana Maharshi: Gespräche des Weisen vom Berge Arunâchala,
ANSATA-Gesamtausgabe, Ansata Verlag Interlaken

 
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