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Weihnachten - der leuchtende Lebensbaum

Der Tannenbaum - die ganze Welt mit den Myriaden Dingen und Wesen.
Die Lichter am Baum: Jedes Ding ist Leuchten, ist die Wahrheit und Erleuchtung selbst, genau so wie es JETZT ist, da muss nichts in der Zukunft kommen. Wartet Gott vielleicht auf das "Ende aller Zeiten"?..... Und jedes Ding - und auch wir selbst - sind ein Geschenk - des Ewigen - an sich selbst, aus NICHTS heraus.
"Alles ist Glanz - lauterer Glanz" - wie es in dem Brief von Yaeko Iwasaki heißt. Und das gilt für den allertiefsten Grund unseres Wesens immer, wider allen äußeren Schein! Im ZEN heißt es in einem Koan: "Die Korallenäste spiegeln den Mond": Wieder der Weihnachtsbaum!  
Und die Geburt des "Kindes" ist das Erwachen des Alltags-Bewusstseins, das für gewöhnlich im Stall des Körperbewußtseins gefangen ist, zu genau dieser erlösenden Wirklichkeit.
So heute für die Feiertage diesmal einen östlichen Text von einer jungen Japanerin, die diese Gottesgeburt, das Erwachen, so tief erlebt hat, dass Weihnachten und Ostern in eins zusammenfallen.
Yaeko Iwasaki: Briefe der Erleuchtung an Harada Daiun Roshi [Auszüge]
Yaeko Iwasaki war eine fünfundzwanzigjährige junge Frau, die nach etwa fünf Jahren Zazen, während derer sie zum großen Teil auf dem Krankenlager übte, Erleuchtung fand und dann in den folgenden fünf Tagen diese geistige Schau in einem Maße vertiefte, wie es im heutigen Japan selten ist. Eine Woche später, in Erfüllung ihrer eigenen Vorahnung, war sie tot. Die folgenden Stellen sind Auszüge aus den Briefen, die sie im Dezember 1935 an ihren Lehrer, den damals fünfundsechzigjährigen Zen-Meister Daiun Sogaku Harada schrieb.
 "Gestern morgen sagte mir mein Roshi (=Zen-Meister) in der Unterweisung: "Was du wahrgenommen hast, ist noch verschwommen". Ich hatte also das Gefühl, daß ich tiefer forschen müsse. Als ich mitten in der letzten Nacht erwachte, war es weitaus klarer geworden, und ich konnte einzig die gefalteten Hände erheben vor Freude, schierer Freude. Meine Dankbarkeit und mein Entzücken lassen sich unmöglich beschreiben.  Jetzt, da meines Geistes Auge geöffnet wurde, erhebt sich spontan in mir das Gelübde, alle Wesen zu retten. Ich bin auch entschlossen, meinen Geist von all seinen seit langer Zeit anhaftenden Verblendungen zu reinigen.
Heute habe ich zum ersten Mal GROSSE ERLEUCHTUNG erlangt. Ich bin so überglücklich, daß, meiner ungeachtet, alles an mir tanzt. Ich habe den Punkt erreicht, da ich den "OCHSEN" (=DAS WAHRE SELBST) wirklich packe, und es gibt absolut keine Verblendung mehr. Da ist weder Ochse noch Mensch!
Ich habe mein UR-ANGESICHT deutlicher gesehen als einen Diamanten in meiner Hand. Die absolute Wahrheit eines jeden Wortes der PATRIARCHEN und der SUTRAS ist mir mit kristallener Klarheit vor Augen erschienen. Obgleich ich alle Lebewesen erretten wollte, gibt es gar keine zu retten.
Ich habe alles vergessen und bin mit leeren Händen in meine WAHRE HEIMAT zurückgekehrt.
Jetzt kann ich mit der nie endenden Aufgabe beginnen, alle Geschöpfe zu retten. Das macht mich so glücklich, daß ich kaum an mich halten kann. Alles ist Glanz, lauterer Glanz. Nun kann ich auf immer in natürlichem Einklang mit meinem alltäglichen Leben zur Vollkommenheit fortschreiten.
Ich bin auferstanden, wie auch der Roshi und alles andere in Ewigkeit.
Der Roshi allein kann meine Seele verstehen. Doch gibt es weder den Roshi noch mich. Leib und Seele sind mir in der Tat vollkommen weggefallen.
Ich bin inmitten des GROSSEN WEGES, da alles ganz natürlich und mühelos ist, weder in Eile noch zögernd; wo es weder Buddhas noch den Roshi gibt - nichts.  Und wo ich ohne meine Augen sehe und ohne meine Ohren höre. Von dem, was ich geschrieben habe, bleibt auch nicht eine Spur; es gibt weder Feder noch Papier, noch Wörter - überhaupt nichts.
Dank des Roshi habe ich erkannt, daß BUDDHA nichts anderes ist als GEIST. Meine Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Je weiter ich auf dem ERHABENEN WEGE fortschreite, desto vollkommener wird er. Nun, da ich erlebt habe, daß "NUR-EINFACH-JETZT" („tada“) selbst Vollkommenheit ist, kann ich dem Roshi endlich die zahllosen Wohltaten vergelten, und ich bin überglücklich. Ich gelobe mir wieder und wieder, in jeder Kleinigkeit meines Lebens mit äußerster Sorgfalt zu handeln.
Endlich habe ich mein UR-ANGESICHT mit einer Klarheit wahrgenommen, die Himmel und Erde durchdringt. Und doch habe ich mich nie als verzweifelten Sucher angesehen....

Was für eine ungeheure Erleichterung, zu entdecken, daß es mir gerade so, wie ich bin, an nichts fehlt!

Ich bin so dankbar, so dankbar für diese Erkenntnis, daß es in sich selbst Vollkommenheit ist, wenn ich so, wie ich bin, Leben auf Leben einfach nur da bin.
Im ganzen Weltall bin ich erhaben, und das ist vollkommen natürlich. Ich bin erstaunt, daß ich jenes EINE bin.

 

(aus KAPLEAU, PHILIP: DIE DREI PFEILER DES ZEN, SCHERZ-O.W.BARTH-VERLAG, S. 369 ff.)

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