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Skriptanalyse und Transaktions-Analyse (mit Übung Lieblingsmärchen)

Therapie mit Skriptanalyse (nun integriert in die Wochenend-Kurse Familienstellen und in die psychotherapeutischen Einzelstunden)
Aufgabe und Ziel der Transaktionsanalyse und Skriptanalyse ist es, unnötig einschränkende Umwelt-Botschaften (besonders der Kindheit) zu erkennen, sie dem Klienten bewußt zu machen und eine positive, konstruktive Neuformulierung des Lebensplans  zu finden. Dazu müssen die "Ich-Zustände" analysiert, Transaktionsmuster bewußt gemacht werden, und es müssen Wege gefunden werden, Zuwendung von anderen Menschen in aufrichtiger Weise zu erlangen, nicht in der Form von "Spielen", bei denen im Grunde beide verlieren und keiner gewinnt. Das Finden dieser Befreiungsbotschaften hat mich seit jeher fasziniert und so habe ich große Fertigkeit darin, aus über 25 Jahren Therapie- und Eigenerfahrung, die wirklich passenden und stimmigen Lösungssätze zu entdecken und sie in die wirksame sprachliche Form zu gießen. Viele Teilnehmer meiner Kurse wissen und schätzen das.

Zum Verständnis der Zusammenhänge nun eine kleine Einführung in diesen Teilbereich der Transaktions-Analyse nach Eric Berne

Die Astrologie, ein uralter Versuch des Menschen, sich selbst und sein Schicksal zu begreifen, wird in der Grundidee widergespiegelt etwa in der Aussage des Panchatantra (um 200 v. Chr.):
Fünf Dinge sind für jeden Menschen festgelegt, bevor er noch den Mutterleib verläßt: Die Lebensspanne und das Schicksal, Vermögen, Bildung und das Grab.
Die "Schicksalspsychologie" unserer Tage hat sich aus einer Psychologie der menschlichen Kommunikation, der sogenannten Transaktionsanalyse entwickelt und vertritt dagegen die Auffassung, das menschliche Schicksal sei in allen wichtigen Lebensereignissen nicht kosmisch bezogen, sondern eine Folge der elterlichen Programmierung, Resultat eines "Lebensdrehbuches", "Skript", das ein Kind in den ersten Lebensjahren für sich "schreibt". Begründer dieser Transaktionsanalyse und Skriptanalyse ist Eric Berne, besonders bekannt durch seinen Bestseller "Spiele der Erwachsenen". Seiner Ansicht nach ist - "den neuesten Erkenntnissen " gemäß - der obige Ausspruch des Panchatantra folgendermaßen abzuändern:
Fünf Dinge sind bestimmt von deinen Ahnen, sechs Sommer schon nach deiner Geburt: Die Lebensspanne und das Schicksal, Vermögen, Bildung und dein Grab.
Wir werden später sehen, daß sich diese beiden Auffassungen der "alten" und "modernen" Schicksalspsychologie nur scheinbar widersprechen. Vorerst aber sollen hier die Möglichkeiten aufgezeigt werden, inwieweit sich die beiden Betrachtungsweisen decken und sich auch gegenseitig ergänzen.

Transaktionsanalyse und Skriptanalyse nach Eric Berne

Transaktionsanalyse und Skriptanalyse, zusammengefasst auch "Transaktionale Analyse" (TA) genannt, liefern Methoden, die Kommunikation zwischen Menschen durchsichtig zu machen. Die TA befasst sich mit der Frage, wie Menschen miteinander umgehen, warum sie so und so miteinander umgehen und welchen Nutzeffekt, welches Ziel diese Art der Kommunikation hat.
Ausgangspunkt der TA war die Beobachtung, daß Menschen ständig ihr Verhalten in einer charakteristischen Weise ändern. So läßt sich zum Beispiel beobachten, daß sich ein Erwachsener in einer bestimmten Situation tatsächlich wie ein Erwachsener verhält, sich aber vielleicht schon fünf Minuten später wie ein achtjähriges Kind benimmt, um kurz darauf typische Verhaltensweisen seines Vaters zu demonstrieren.
Eine Erklärung für diese typischen und schon äußerlich beobachtbaren Veränderungen im menschlichen Verhalten lieferte die Entdeckung eines Neurologen (Penfield), die eigentlich gar nicht mit Psychotherapie zu tun hatte: Alles, was ein Mensch jemals erlebt hat, wird unlöschbar und jederzeit wieder abrufbar im Gehirn gespeichert. Diese gespeicherten Daten beziehen alles am erlebten Geschehen mit ein. Gehörtes, Geschehenes, Gefühle, Gedanken, Handlungen, sogar  Geschmacks- und Geruchsempfindungen. Jeder Mensch trägt demnach eine ungeheure Fülle alter Aufzeichnungen mit sich herum, die jederzeit abgerufen und aktiviert, d.h. erlebt werden können.
Solchermaßen aufgezeichnete Erlebnisse stammen aus verschiedenen Quellen; und danach werden sie auch von der TA klassifiziert. Menschen verhalten sich manchmal wie Erwachsene (vernünftig, logisch abwägend ...), manchmal so wie ihre Eltern (fürsorglich oder kritisierend) und manchmal so, als ob sie noch das kleine Kind wären, das sie einmal waren. Wir tragen demnach alle verschiedene Zustände, Erlebnis- und Verhaltensmöglichkeiten in uns, mit denen wir uns identifizieren können. Ein solcher Ich-Zustand ist ein relativ zusammenhängendes Muster von Gedanken,  Gefühlen und Handlungen.
Wir unterscheiden drei solcher Ich-Zustände, das Erwachsenen-Ich (ER), das Eltern-Ich (EL) und das Kind-Ich (K).
Jeder Mensch hat eine gewisse Menge an Konzentrationsenergie zur Verfügung, die aus seinem innersten Selbst, seinem Kern stammt, und diese Lebensenergie belebt die verschiedenen Ich-Zustände in ständigem Wechsel. Anders ausgedrückt: Wir bestehen aus Teilpersönlichkeiten (Kind, Erwachsener, Eltern), die ständig während des  Wachlebens in Aktion treten können. Diese Teilpersönlichkeiten in uns beobachten sich gegenseitig, sprechen miteinander (innerer Dialog, "Kopfdialog") und werden natürlich auch aktiv, wenn wir mit anderen Menschen in Kontakt kommen.
Die TA fand nun heraus, daß die Art dieser inneren und äußeren Dialoge das Leben eines Menschen in den wichtigsten Punkten bestimmt. Und daß die Art und Weise, wie unsere verschiedenen Ich-Zustände miteinander und auch mit anderen Menschen kommunizieren, schon in frühester Kindheit vorprogrammiert wird.
Das natürliche Kind-Ich ist schon von Geburt an vorhanden, es enthält unser freies, spontanes, aber auch selbstbezogenes, lebensicherndes Verhalten. Durch erste Umweltkontakte, besonders mit der Mutter, aber auch mit  sonstigen Bezugspersonen, bildet sich dann das angepasste Kind-Ich heraus, als Reaktion auf Umwelteinflüsse: nachgiebig, willig oder aber trotzig und widersetzlich.
Das Eltern-Ich bildet sich aus der Beobachtung und Imitation der eigenen Eltern: Wir lernen zu fühlen, zu denken und zu reagieren, wie unsere Eltern das tun bzw. getan haben.
Das Erwachsenen-Ich entwickelt sich am spätesten. Der "Computer in uns", der uns das bewußt-logische Erfassen der Welt ermöglicht und ein darauf basierendes vernünftiges Handeln, ist erst ab etwa dem 12. Lebensjahr voll funktionsfähig.
Die Interaktionen zwischen den Eltern des Kindes prägen sich in das EL-Ich des Kindes ein, das dann später in seinem EL (und auch in K) die Auffassung herumträgt: "So ist das Leben", "so ist die Ehe" usw. Weil diese Einprägung durch das im Kindesalter noch nicht  voll ausgebildete Erwachsenen-Ich nicht kontrolliert werden kann, wirken diese eingeprägten Interaktionsmuster praktisch gegen jede Kontrolle durch die Vernunft. So erklärt die TA den Zwangscharakter menschlichen Schicksals. Dieses Einprägungsmuster nennt man Skriptmatrix.
Diese elterlichen Botschaften treten oft in Form einer "Beziehungsfalle" (double bind) auf, die dem betreffenden Kind scheinbar keinen Ausweg in einer bestimmten Situation läßt. Wiederholt sich der in der Skriptmatrix dargestellte Dialog sehr oft, dann wird er internalisiert und beeinflusst das spätere Verhalten dieses Menschen auch dann noch, wenn seine Eltern gar nicht mehr leben. Die verinnerlichten Botschaften zwingen ihn in bestimmten Situationen geradezu, ein bestimmtes Verhalten als Endresultat des inneren Dialogs zu zeigen, das unter Umständen selbstzerstörerisch sein kann (Alkoholismus, Drogenkonsum, "selbst geplanter " Verkehrsunfall usw.)

Doch es gibt Lösungen für die solchermaßen entstandenen Lebensprobleme: Durch die Methoden der Skriptanalyse und erweitert heutzutage durch die Methode des Familienstellens kann man unnötig einschränkende Umwelt-Botschaften (besonders der Kindheit) zu erkennen, sie bewußt machen und eine positive, konstruktive Neuformulierung des Lebensplans  zu finden.

Machen Sie dazu jetzt bitte eine Übung ("Mein Lieblingsmärchen")

Setzen oder legen Sie sich entspannt hin, richten Sie Ihr Bewußtsein nach innen und verfolgen Sie ihr Atmen, bis Sie ruhig geworden sind. Gehen Sie nun im eigenen Tempo zurück in Ihrer Lebensgeschichte, versuchen Sie schließlich, wieder der kleine Junge (das kleine Mädchen) zu werden, der Sie einmal waren. Stellen Sie sich das Haus, die Wohnung vor, wo Sie aufgewachsen sind, das Kinderzimmer, die Spielsachen, die Bilderbücher und Märchenbücher. Nun erinnern Sie sich an die Märchen, die Sie damals besonders bewegt haben, fasziniert haben, erregt haben, im positiven wie im negativen Sinn. Ein Märchen, eine Geschichte, die Sie immer wieder hören wollten oder immer wieder vorgelesen bekamen. Wenn Sie solche Geschichten gefunden haben, kommen Sie wieder zurück und schreiben sie die Titel auf. Lesen Sie nun die Märchen noch einmal und fragen Sie sich: "Erinnert mich da irgendetwas daran, wie mein Leben gelaufen ist?"

Schlüsseln Sie die Bedeutung des Märchens nach folgendem Schema für sich auf:

Wer bin ich? (= mit welcher Märchenfigur würde ich mich am ehesten identifizieren?), wer sind die anderen?, was mache ich eigentlich (genau betrachtet) mit den anderen? und was machen die anderen mit mir?

Versuchen Sie dann, etwa wie in den folgenden Beispielen, in ein bis vier Sätzen knapp das wesentlichste Geschehen im Märchen in der Ich-Form (also von der Rolle aus, die Sie annehmen würden) zu formulieren. Und fragen Sie sich dann: Spiegelt das Märchen ein Stück von meinem Leben wider?

Ein Beispiel für eine negative Prägung kann folgende unbewußte Deutung des Märchens ROTKÄPPCHEN sein: Die ganze Welt (= Wald) ist voller Wölfe (= gefährlicher älterer Männer), ich kann mich aber (als unschuldiges Opfer) dar¬auf einlassen, denn am Ende kommt schon noch ein junger Mann (= Jäger), der mich dann retten wird.

Es liegt auf der Hand, daß eine Frau, die unbewußt eine solche Lebensauffassung mit sich herumträgt, ihre Partnerschaft sehr negativ beeinflußt oder sogar verhindert. In der therapeutischen Praxis läßt sich immer wieder finden, daß Frauen, die vom Rotkäppchen-Märchen fasziniert sind, in der Kindheit verführt worden waren (vom guten "Onkel", vom Vater, von einem Bekannten) und daß dieses Erlebnis (wenn es nicht zu brutal war) oft eine so starke sexuelle Faszination im Unbewußten zurückläßt, daß später gleichaltrige Männer unbewußt verachtet und aufregende oder "verbotene" Beziehungen zu älteren Männern gesucht werden. Die "erlaubte Beziehung" in der eigenen Ehe bekommt dann dadurch einen ständigen "faden Beigeschmack". Typischer Satz einer Frau mit "Rotkäppchen-Skript" aus meiner Praxis: "Selbst wenn mein Mann der Karajan wäre, ich könnte mich nicht für ihn begeistern!".

In der Nachkriegszeit wurden diese sexuellen Spielereien ganz besonders oft mit Süßigkeiten oder Geld belohnt. In der Erinnerung hat dann oft das MÄRCHEN VOM STERNTALER eine starke Faszination ausgeübt: "Erst das Hemdchen hoch, und danach fällt die Belohnung hinein".

Eine Frau mit einem "FROSCHKÖNIG-SKRIPT" sucht sich ständig "Frösche" als Partner, also solche Männer, die überhaupt nicht zu ihr passen, ihr aber zunächst aus einer Verlegenheit herausgeholfen (= die goldene Kugel geholt) haben. Diese Frau wartet dann unter Umständen vergebens darauf, daß sich der betreffende Mann in einen Prinzen verwandelt, traut sich andererseits aber auch nicht, ihn an die Wand zu werfen, das heißt, in der Kommunikation klarer, konkreter, drastischer zu werden, sich zu zeigen wie sie ist, was sie wirklich will und was ihr am Verhalten des Mannes nicht paßt.